Sprecher Agentur
Gagen

Was verdienen Sprecher wirklich

Kaum eine Frage wird angehenden Sprechern so oft gestellt und so selten ehrlich beantwortet. Hier sind die Modelle, die Richtwerte und die Fallen.

Es gibt nicht die eine Gage

Wer zum ersten Mal eine Sprechergage kalkulieren will, sucht nach einer einfachen Zahl und findet keine. Das hat einen Grund: die Branche rechnet je nach Genre völlig unterschiedlich ab. Ein Hörbuch wird nach fertiger Audiostunde bezahlt, Synchron nach Grund- und Takegage, Werbung nach Reichweite und Laufzeit, Games nach Studiostunden. Wer die Modelle kennt, kann jedes Angebot einordnen.

Als Orientierung hat sich in Deutschland der Gagenkompass des Verbands Deutscher Sprecher etabliert. Er hat Empfehlungscharakter, ist also kein Tarif, aber er zeigt, was in der Branche üblich ist. Seriöse Auftraggeber kennen ihn und kalkulieren nicht dauerhaft darunter.

Hörbuch: bezahlt wird die fertige Stunde

Im Hörbuch ist die Fertigstunde die zentrale Einheit, oft als per finished hour oder Final Audio Hour bezeichnet. Bezahlt wird nicht die Zeit in der Kabine, sondern die Länge des fertigen, geschnittenen Materials. Branchenüblich liegt die Spanne bei etwa 250 bis 450 Euro pro Fertigstunde, inklusive Vorbereitung. Wichtig zu wissen: für eine Fertigstunde stehen Profis meist deutlich länger in der Kabine, dazu kommen Buchvorbereitung und Korrekturen.

Daneben existiert Royalty Share, vor allem bei Plattformproduktionen: statt einer festen Gage erhält die Stimme eine Umsatzbeteiligung. Als Einstieg zum Sammeln von Referenzen kann das ein Weg sein, als Dauermodell trägt es selten. Viele erfahrene Stimmen berichten von monatlichen Beträgen im zweistelligen Bereich trotz vieler eingesprochener Bücher. Wer Royalty Share annimmt, sollte es als Investition in das eigene Portfolio begreifen, nicht als Einkommen.

Synchron: Grundgage plus Takes

Im Synchron wird pro Projekt eine Grundgage fällig, dazu kommt eine Gage pro gesprochenem Take. Üblich sind derzeit rund 60 Euro Grundgage und etwa 3 Euro pro Take, nach oben frei verhandelbar. Bei Ensembleterminen gelten eigene Tabellen. Wer auf diese Werte schaut, versteht auch, warum Synchron ein Mengengeschäft ist: das Einkommen entsteht über viele Takes und viele Projekte.

Werbung: die Nutzung bestimmt die Gage

In der Werbung gilt der wichtigste Satz der ganzen Gagenlogik: die Nutzung bestimmt die Gage. Ein Funkspot, der ein Jahr regional läuft, wird branchenüblich ab etwa 400 Euro kalkuliert, national ab etwa 500 Euro. Läuft der Spot länger, in mehr Gebieten oder in weiteren Medien, steigt die Gage entsprechend, oft um hundert Prozent je zusätzlichem Jahr oder Territorium. Das wirkt auf den ersten Blick kompliziert, schützt aber beide Seiten: der Kunde zahlt genau die Nutzung, die er braucht, und die Stimme wird am Wert ihrer Arbeit beteiligt.

Corporate, eLearning und die ruhigen Verdiener

Imagefilme, eLearning, Podcasts und Audioguides sind die stillen Arbeitspferde des Marktes. Branchenüblich beginnt die Kalkulation hier bei rund 350 Euro Grundgage für die ersten Minuten Text, mit Aufschlägen je weiterer Länge. Telefonansagen starten bei etwa 240 bis 250 Euro für ein Ansagenpaket. Es sind selten spektakuläre Einzelgagen, aber planbare Aufträge mit fairen Konditionen, und genau davon lebt ein Sprecheralltag.

Auf unserer Plattform gilt zusätzlich eine Mindestgage von 250 Euro pro Auftrag. Damit stellen wir sicher, dass keine Anfrage unterhalb eines professionellen Rahmens startet.

Woran man unfaire Angebote erkennt

Ein paar Warnsignale haben sich bewährt. Erstens: Angebote deutlich unterhalb der branchenüblichen Spannen, begründet mit Reichweite oder Folgeaufträgen. Zweitens: pauschale und zeitlich unbegrenzte Rechteabtretungen ohne entsprechende Vergütung. Drittens: Klauseln zur KI-Nutzung der Stimme, die beiläufig im Vertrag stehen. Der Verband Deutscher Sprecher empfiehlt, die Nutzung für KI-Anwendungen ausdrücklich auszuschließen. In unserem Rahmenvertrag ist genau das fest verankert.

Zahlen im Überblick
250 bis 450 Euro
Branchenübliche Spanne pro fertiger Hörbuchstunde inklusive Vorbereitung
60 Euro plus 3 Euro
Übliche Grundgage plus Gage pro Take im Synchron
250 Euro
Mindestgage pro Auftrag auf unserer Plattform

Häufige Fragen

Was verdient ein Hörbuchsprecher pro Stunde?

Branchenüblich sind etwa 250 bis 450 Euro pro fertiger Audiostunde inklusive Vorbereitung. Die reine Arbeitszeit liegt deutlich über der fertigen Stunde, weil Vorbereitung, Aufnahme und Korrekturen dazukommen.

Was ist Royalty Share?

Statt einer festen Gage erhält die Stimme eine Umsatzbeteiligung am Hörbuch. Als Einstieg zum Referenzenaufbau möglich, als Dauermodell selten tragfähig, weil die Ausschüttungen oft sehr klein bleiben.

Was ist der VDS Gagenkompass?

Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht des Verbands Deutscher Sprecher mit branchenüblichen Richtwerten je Genre. Er hat Empfehlungscharakter und dient Sprechern wie Auftraggebern als gemeinsame Orientierung.

Warum kostet mehr Reichweite mehr Gage?

Weil die Stimme mit ihrer Arbeit zum Werbewert beiträgt. Je größer Gebiet, Laufzeit und Medium, desto höher der Nutzungswert der Aufnahme, und desto höher fällt das Nutzungshonorar aus.

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