Was Synchronsprechen wirklich verlangt
Beim Synchronsprechen legst du deine Stimme lippensynchron auf eine sichtbare Figur: im Timing der Atmung, in jeder emotionalen Wendung, bei jedem Lacher und jedem Schmerzenslaut. Du übernimmst eine Rolle, die ein anderer Schauspieler gespielt hat, und musst seine Leistung glaubwürdig in deiner Sprache neu erschaffen. Deshalb ist die wichtigste Grundlage nicht die schöne Stimme, sondern Schauspiel.
Der Großteil der etablierten Synchronstimmen hat eine Schauspielausbildung oder langjährige Bühnenerfahrung. Wer den Beruf ernsthaft anstrebt, kommt an Schauspieltraining kaum vorbei.
So funktioniert die Arbeit im Studio
Gearbeitet wird in Takes, kurzen Abschnitten von wenigen Sekunden. Der Take läuft im Original, dann sprichst du ihn in der eigenen Sprache auf das Bild, unter Regie und mit Cutter. Abgerechnet wird branchenüblich mit einer Grundgage pro Projekt plus einer Gage pro Take, üblich sind derzeit rund 60 Euro Grundgage und etwa 3 Euro pro Take. Einkommen entsteht also über Menge, Geschwindigkeit und regelmäßige Besetzung.
Die Synchronbranche konzentriert sich stark auf wenige Städte, allen voran Berlin, dazu München und Hamburg. Wer regelmäßig besetzt werden will, braucht Präsenz vor Ort, denn Termine werden oft kurzfristig vergeben.
Der realistische Einstieg
Der übliche Weg führt über Workshops bei aktiven Synchronregisseuren und Aufnahmeleitern, über Ensembletermine, bei denen Menge und Atmo gesprochen werden, und über kleine Rollen, in denen man sich beweist. Castings und Kontakte entstehen fast immer über gemachte Arbeit und persönliche Empfehlung. Vorsicht ist bei teuren Komplettpaketen geboten, die schnelle Karrieren versprechen: die Branche kennt ihre Leute, und Können setzt sich dort durch, wo es gehört wird.
Auch mit Games und Hörspielen lässt sich synchronnahe Erfahrung aufbauen: geschauspielerte Stimmarbeit unter Regie, oft mit denselben Anforderungen an Timing und Emotion.